melior AG

Gitzi sollen früh fressen lernen

Fachbericht von Bernhard Bütikofer, PM Kleinwiederkäuer, melior

Die Pansenentwicklung steht im Fokus der Gitziaufzucht. Für einen guten Start ist Kolostrum unersetzlich.

Eine optimale Versorgung der Gitzis wirkt sich positiv auf die Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit der zukünftigen Milchziegen aus. Schon die Biestmilchgabe am ersten Lebenstag ist hier von entscheidender Bedeutung. Dies, weil bei Ziegen die mütterlichen Antikörper nicht durch die Plazenta auf den Fötus übertragen werden und die Jungtiere folglich ohne Infektionsschutz zur Welt kommen. Die heikle Zeit, bis die Neugeborenen eine eigene Abwehr aufgebaut haben, wird durch die passive Immunisierung der Biestmilch überbrückt. Für eine bestmögliche Wirkung müssen Zeitpunkt und Menge stimmen. Ein Gitzi sollte in den ersten zwei Stunden 360 bis 420 ml Biestmilch und im Verlauf der folgenden zehn Stunden nochmals die gleiche Menge aufnehmen.

Füttern mit System

Wird ein Erstablammalter von 12 bis 13 Monaten angestrebt, sollten die Jungtiere zum Zeitpunkt der Belegung je nach Rasse mindestens 28 bis 35 kg schwer sein. Neben guter Genetik und Haltung trägt die Fütterung wesentlich dazu bei, dieses Ziel zu erreichen. Dabei kann ein Aufzuchtplan mit empfohlenen Milch- und Futtermengen eine wichtige Unterstützung sein. Ein konsequent umgesetztes Aufzuchtsystem wiederspiegelt sich in einer guten Entwicklung der Jungtiere und in ansprechenden Einsatzleistungen in der ersten Laktation.

Kurze Schläuche

Nach der wichtigen Biestmilchgabe in den ersten Lebensstunden wird während den ersten vier Tagen weiterhin Kolostrum vertränkt. Anschliessend erfolgt meistens die Umstellung auf Kuhmilch, die bis zu einem gewissen Teil auch mit Milchpulver ersetzt werden kann. Damit der Schlundrinnenreflex funktioniert, muss die Milch 39 bis 42 °C warm und der Saugnippel leicht erhöht (Euterhöhe) sein. Zudem darf die Nuckelöffnung nicht vergrössert werden, und das Tränken sollte in mehreren kleinen Gaben geschehen. Die tägliche Reinigung des Tränkegeschirrs mit heissem Wasser und Reinigungsmittel ist unerlässlich. Bei Tränkeautomaten ist neben der Hygiene auf kurze Schläuche zu den Nuggis zu achten. So kan die Milchmenge, die nach dem Saugen in ihnen verbleibt und abkühlt, klein gehalten werden, ehe sie vom nächsten Gitzi aufgenommen wird.

Pansen vorbereiten

Mit der frühzeitigen Verabreichung von Heu und gut verdaulichem Gitziaufzuchtfutter wird der Pansen optimal auf eine effiziente Nährstoffaufnahme und einen hohen Raufutterverzehr vorbereitet. Dabei gilt, je schneller sich die Gitzis an die Futteraufnahme gewöhnen, desto besser. Silagen sind in der frühen Aufzucht nicht zu empfehlen. Frisches Wasser ist ad libitum in einem Tränkbecken, aber nie über einen Nuggi, anzubieten.

Mit dem Weidegang wird infolge Verwurmungsgefahr am besten bis nach der Belegung gewartet. Eine gute Betreuung durch den Bestandestierarzt und spezielle Parasitenüberwachungsprogramme helfen, Resistenzproblemen vorzubeugen. Pflanzliche Produkte haben sich zur Unterstützung des Parasitenmanagements bewährt

In der Gitziaufzucht spielen nicht zuletzt die eigenen Erfahrungen und der Austausch mit Berufskollegen eine grosse Rolle. Offen sein für Neues und den Mut nie verlieren dürften die wichtigsten Grundsätze sein.