melior AG
Legende

Die Zeitbombe tickt im Silo

Fachbericht von Walter Bösch, Schweinespezialist, melior

Wer auf Dauer gute Leistungen mit gesunden Schweinen erzielen will, muss auf Sauberkeit und gute Hygiene beim Futter und bei der Fütterungsanlage achten. Unerwünschte Keime dürfen gar nicht erst gebildet werden.

Mikroorganismen wie Bakterien, Hefen und Schimmelpilze wandeln wichtige Nährstoffe unkontrolliert in teilweise schädliche Abbauprodukte um. Lysin als wichtige essenzielle Aminosäure in der Schweinefütterung kann beispielsweise durch unerwünschte Mikroorganismen bis zu 30 Prozent abgebaut werden. Nährstoffverluste können durch unsachgemässe und unhygienische Lagerung sowie durch die Zerstörung der Aminosäuren über schädliche Abbauprodukte im Futter entstehen. Biogene Amine wie Tyramin oder Histamin führen zu Leistungsabfall und Abgängen. Das Wachstum von unerwünschten Mikroorganismen im Futter und in den Fütterungsinstallationen muss deshalb unbedingt verhindert werden. Eine nachträgliche Entkeimung von infiziertem Futter führt nicht zum Erfolg. Die Mikroorganismen werden zwar zerstört, die schädlichen Stoffwechselprodukte sind jedoch trotzdem im Futter enthalten. 

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Bereits bei der Futterernte muss auf einen hohen Hygienestatus Wert gelegt werden. Mit einer Reinigung des Getreides, einer effektiven Konservierung und einer laufenden Temperaturkontrolle wird die Qualität der Rohstoffe erhalten.

Zukauf nach Bedarf

Im Fabrikationsprozess von Mischfutter trägt die thermische Behandlung zur Qualitätserhaltung bei. Beim Einkauf von Futtermitteln soll darauf geachtet werden, dass nur so viel Futter eingekauft wird, wie zeitnah verbraucht wird. Damit sich das Futter im Silo nicht als hygienische Zeitbombe entwickelt, sind zwei kleinere Silos besser als ein grosses. Dadurch wird gewährleistet, dass die Silos regelmässig vollständig geleert werden können und dass genügend Zeit für eine Sichtkontrolle und die Reinigung bleibt; denn Futterresten an den Wänden und in Ecken werden zusammen mit Feuchtigkeit eine ideale Brutstätte für unerwünschte Mikroorganismen.

Die Palette der Fütterungsanlagen reicht heute von technisch einfach bis hochkomplex. Bei Neu- und Umbauten sind geschlossene, sich automatisch reinigende Anlagen gebräuchlich. Trotzdem muss die Reinigungswirkung überprüft werden. Sichtkontrolle und periodische bakterielle Analysen im Labor lassen die Schwachstellen frühzeitig, vor der Entstehung eines Schadens, erkennen, und so können sie beseitigt werden. Bei Anlagen ohne Reinigungsautomatismus wird eine alternierende alkalische und saure Reinigung empfohlen. Die Reinigungshäufigkeit resultiert aus der Belastung und aus technischen Gegebenheiten.

Vorbeugend reinigen

Die Reinigung vor der Entstehung eines Biofilms ist auf alle Fälle erfolgreicher, als wenn dicke Ablagerungen entfernt werden müssen. Bei tiefen Temperaturen sind alkalische Reinigungsmittel mit Chlorzusatz wirksamer als reine Laugen. Achtung: Nie chlorhaltige Mittel mit Säure in Verbindung bringen. Es entsteht Chlorgas

Verschmutzungsgrad, Chemie, Temperatur, Zeit und Reibung sind Faktoren, die eine Reinigung beeinflussen. Nach jeder Reinigung muss gründlich mit Wasser gespült werden. Um eine positive Keimflora zu unterstützen, ist die Beimpfung der Futterleitungen mit positiven Mikroorganismen sinnvoll.